Karin Datsis – Streetfotografin aus Leidenschaft

Meine Gedanken zur Streetfotografie

Streetfotografie, was ist das überhaupt für eine Wortkreation?
Denglisch…oder eigentlich Engleutsch, denn vorne ist es ja englisch und hinten deutsch.

Warum nicht für das Eine oder Andere entscheiden? Street Photography … Strassenfotografie?

Ehrlich gesagt, finde ich, dass beides sich noch komischer anhört, deshalb bleibe ich bei dem engleutschen Begriff “Streetfotografie”.

Genau genommen entspricht das Wort aber gar nicht mehr dem, was viele Streetfotografen unter dem Gengre verstehen. Es heißt vermutlich deshalb so, weil der Alltag häufig auf den Straßen von Städten stattfindet, da dort die meisten Menschen leben oder arbeiten.

Aber im Grunde geht es ja

… um Szenen des Alltags an Orten des alltäglichen Lebens.

… um den ungestellten Moment des Hier und Jetzt.

… um Bilder, die Geschichten erzählen oder Emotionen auslösen.

…um den Zeitgeist und das Lebensgefühl.

…um den Klick des Augenblicks.

Warum sollte es also wichtig sein, ob diese auf der Straße, am Strand oder im Museum stattfinden?

Die künstlerisch-dokumentarische Straßenfotografie sollte etwas über unsere Gesellschaft und die Zeit, in der wir leben, aussagen. Dafür braucht sie meiner Meinung nach auch nicht unbedingt Personen im Bild. Der Beweis für das Leben der Menschen – in all seinen Formen – kann genauso ausdrucksstark sein:

Bushaltestellen, Ampeln, Türen, Fahrräder, Regenschirme, Graffiti, usw. sind Ausdruck des alltäglichen Lebens. Menschen hinterlassen Müll und nicht jeder Abfall ist schmutzig und unansehnlich. Leere Straßen suggerieren, dass etwas fehlt – und Leere regt die Fantasie an.

Auch kleine Details können große Geschichten erzählen. Accessoires, aber auch der Teil von einem Menschen, z.B. eine Hand oder ein Schatten können für ein ganzes Leben sprechen.

Warum ich das mache?

„Die besten Geschichten schreibt das Leben selbst.” …und ich höre sie gerne und erzähle sie gerne weiter.

Streetfotografie habe ich schon praktiziert, lange bevor ich von dem Begriff etwas gehört hatte. Hier lagen die Anfänge meiner Fotografie ohne bewußt zu wissen, was ich tue.

Im Urlaub habe ich mir die Kamera meines Mannes ausgeliehen und das Leben um mich herum fotografiert….die Gesichter, die Begegnungen, die Geschichten. So lange bis er mir eine eigene Kamera geschenkt hat, damit er seine auch mal wieder benutzen kann.

Auch heute ist der Reiz an den kleinen Geschichten, die das Leben schreibt, ungebrochen.

Und da die besten Gelegenheiten an ganz normalen Orten stattfinden und nicht dann, wenn ich plane Streetfotos zu machen, habe ich meine Kamera fast immer dabei.

Eine der Faszinationen der Streetfotografie liegt für mich in der nötigen Kreativität, Intuition und Spontanität. Vor dem Drücken des Auslösers hat man nicht viel Zeit zum Nachdenken, denn hier lebt und stirbt das Bild durch den perfekten Moment, der Kombination von Szene, Umgebung, Beobachtung und Zufall.

Einige Motive und Situationen kann man aber auch kommen sehen, weil sie sich über einen kleinen Zeitraum hinweg anbahnen. Das lässt dann etwas Zeit, eine bessere Position, den richtigen Bildausschnitt und eine passende Blende-Zeit-Kombination zu wählen.

Für mich besteht die Kunst der Streetfotografie darin, dass das Bild nicht nur eine spannenden Szene zeigt, sondern auch noch optisch ansprechend und technisch akzeptabel ist. Ein Foto wird in meinen Augen erst dann richtig großartig, …also zur Fineart-Streetfotografie ...wenn neben dem tollen Moment auch die Komposition stimmt, das Licht passt und der Schnitt gut ist, d.h. die klassischen fotografischen Kriterien erfüllt sind.

Ein gutes Street hat nichts mit einem reinen Schnappschuss oder einer Paparazziaufnahme zu tun, deshalb muss für mich die Szene schon extrem gut sein, um die Kriterien der Bildgestaltung komplett auszublenden.

Manchmal muss man sich halt auch mal dazu entschließen ein Bild mit einer guten Szene nicht zu machen oder zu löschen, wenn das Drumherum nicht passt.

Damit möchte ich aber nicht sagen, dass alle meine Fotos gut sind und jedes eine tolle Geschichte erzählt. Da das aber mein Ziel ist, würde ich mich freuen, wenn du mir ein Ähnliches Foto   bei den Fotos schenkst, die dir besonders gefallen,

Darf man das überhaubt? Dieser Frage muss jeder Streetfotograf sich immer wieder stellen.

Da das Fotografieren von Menschen ein rechtlicher Balanceakt zwischen Kunstfreiheit und Persönlichkeitsrechten ist, kommt vor allem in Deutschland kein Streetfotograf drum herum sich mit der rechtlichen Lage auseinandersetzen.

Eine Empfehlung kann ich dazu leider nicht gegeben. Mir hilft es aber mich vom moralischen Aspekt her auf das eigene Bauchgefühl zu verlassen und Grenzen einzuhalten.                                Personen in kompromittierenden oder peinlichen Situationen abzubilden würde diese Grenze überschreiten und eine Verletzung der menschlichen Würde darstellen.

Aber was  sind peinliche Situationen? Da darunter wohl jeder etwas anderes versteht, versuche ich mich so zu verhalten wie ich es selbst von einem Fotografen erwarten würde.                            Ich vermeide Fotos, die andere aus meiner Sicht bloßstellen oder wenn doch mal eins, das ich grenzwertig finde, auf meiner Speicherkarte landet, dann frage ich mich gut, ob ich es wirklich veröffentliche.                                                                                                                                      Humorvolle Momente und Raffinesse dagegen gehören zur Streetfotografie ebenso wie zum Leben und sind natürlich gewollt.

Da ich also hinter dem stehe, was ich tue, kann ich auch jedem erklären, warum ich ihn oder sie fotografiert habe. Wenn es sich anbietet versuche ich auch, die Menschen nach dem Fotografieren zu fragen, ob sie mit der Aufnahme einverstanden sind.

Durch das Fragen kommen manchmal ganz tolle Gespräche zustande und ich habe fast noch nie erlebt, dass jemand abgelehnt hat. Im Gegenteil, die meisten fühlten sich eher geschmeichelt, einige bitten sogar um einen “Abzug”. Deshalb habe ich immer einen kleinen Block mit Stift dabei um mir ggf. Adressen aufschreiben zu können.

Um in Deutschland rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, darf man trotzdem niemanden fotografieren ohne vorher eine Einwilligung einzuholen. Als Einwilligung gilt hier zwar schon die wörtliche oder mimische Zustimmung (z.B. ein freundliches Lächeln), wie aber sollte man das im Nachhinein beweisen? Es bleibt also nichts anderes übrig als schon vor der Aufnahme um die schriftliche Einwilligung desjenigen zu bitten, den man fotografieren möchte …

nur … kann man dann keine ungestellte Situation mehr fotografieren und die Streetfotografie würde zur arrangierten Szene.

Meine Devise für die meisten Fälle lautet daher:  Fotografieren, lächeln, weitergehen…

Aber jeder sollte für sich entscheiden, wie weit er gehen möchte und womit sie sich wohl fühlt … denn gute Fotos kann man nur machen, wenn man locker ist.

In diesem Sinne…raus auf die Straße…und los geht´s…

 

>> und hier gehts zu meinen Streetfotos

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